Wieder nicht. Die Italiener schaffen es seit sieben Monaten nicht, den Lotto-Jackpot zu knacken. Vorwerfen kann man ihnen das nicht, liegt doch die Chance, aus 90 möglichen die sechs richtigen Zahlen zu erraten, bei 1 zu 623.000.000. Und das Lottospiel geht in bella italia munter weiter. Für den Finanzminister liegt die Chance auf den Jackpot hingegen bei 100 Prozent. Er hat heuer schon fast eine Milliarde Euro eingenommen. Denn vom Lottospiel ist es nur ein kurzer Weg zur Steuerpolitik. Lotto ist eine intelligente Form, Zwangsabgaben einzuheben. Es klingelt im Staatssäckel, ohne dass die Steuerzahler murren. Besser kann man die Steuerregel von Jean-Baptiste Colbert nicht umsetzen. Der Finanzminister von König Ludwig XIV. fasste sein Credo so zusammen: „Die Kunst der Besteuerung besteht ganz einfach darin, die Gans so zu rupfen, dass man möglichst viel Federn bei möglichst wenig Geschrei erhält.“
In Italien spielen daher nichts ahnend die Menschen weiter und schenken dem Staat dadurch großartige Steuereinnahmen. Und das noch unter Mithilfe von österreichischen und deutschen Lottospielern, die stundenlang an italienischen Lottoannahmestellen standen, um auch mitzuspielen und die Chance auf den Gewinn der Lottosumme zu haben. Mittlerweile wird in Italien diskutiert, ob es beim Jackpot eine Obergrenze geben soll. Die hohen Summen, die es zu gewinnen gibt, würden die psychologische und wirtschaftliche Gesundheit der Spieler gefährden. Ein Richter soll darüber entscheiden.
Das Lottospiel ist so etwas wie die Börse des kleinen Mannes, wo der Totalverlust des Einsatzes höchstwahrscheinlich ist und doch niemand davor zurückschreckt seinen Einsatz und sein Spiel zu tätigen. Für das Lottospiel gilt, - alles ist möglich und daher wird in Italien auch weiter fleissig gespielt und gewettet werden, der Staat verdient und irgendwann wird der Jackpot geknackt und einen Spieler unermesslich reich werden lassen.